Burgruine Grünenberg Melchnau

 

Versammlung 1951 • • •

                                    • • • Einladung und Bericht

 



Mit dieser Postkarte lud der Historische Verein des Kantons Bern zur Jahresversammlung 1951 nach Melchnau ein.

 

H I S T O R I S C H E R   V E R E I N   D E S   K A N T O N S   B E R N

J A H R E S V E R S A M M L U N G
Sonntag, den 24. Juni 1951, in Melchnau

  7.30 Abfahrt in Bern-Transit. Fahrt mit Postautos über Sumiswald-Huttwil nach Melchnau.
  9.45 Ankunft in Melchnau. Anschliessend Besichtigung der Burgruine Grünenberg unter Führung von Herrn           René Wyss, Herzogenbuchsee.
11.00 Beginn der Verhandlungen in der Kirche von Melchnau.
          1. Jahresbericht.
          2. Jahresrechnung.
          3. Vortrag von Herrn Sekundarlehrer Rudolf Ramseyer: Die Freiherren von Grünenberg. Kurzer
              Überblick.
          4. Aufnahme neuer Mitglieder.
12.30 Gemeinsames Mittagessen im Gasthof „Linde“ in Melchnau. (Preis inkl. Wein ohne Service Fr. 6.60).
14.45 Fahrt über Altbüron nach St. Urban. In St. Urban Besichtigung der Kirche mit dem berühmten Chorgestühl
          unter Führung von Herrn P.-D. Dr. Paul Hofer.
17.30 Abfahrt von St. Urban. Fahrt über Langenthal-Krauchthal nach Bern.
Um 19.30 Ankunft in Bern-Transit.
 
Der Fahrpreis Bern-Melchnau retour beträgt Fr. 8.-. Verkauf der Fahrkarten durch den Kassier vor der Abfahrt in Bern-Transit
 
I m   N a m e n   d e s   V o r s t a n d e s : Der Präsident: Prof. Dr. R. F e l l e r   Der Sekretär: Dr. F. M a i e r

Die Anmeldekarte wird bis Dienstag, den 19. Juni 1951, zurückerbeten. Rechtzeitige Anmeldung ist notwendig, damit die Wagen bestellt werden können!

 

 



Nach der Jahresversammlung des Historischen Vereins des Kantons Bern erschien ein Bericht in der Zeitung mit dem Titel «Die bernischen Geschichtsfreunde im Oberaargau». [Quellenangabe fehlt.]

 

Die bernischen Geschichtsfreunde im Oberaargau

Besichtigung der Ausgrabungen auf Grünenberg und St. Urbans.

     (fk.-korr.). Eine stattliche Autokarawane der PTT.-Verwaltung führte am Sonntag früh die bernischen Geschichtsfreunde in genußreicher Fahrt über Worb, Biglen, Obergoldbach vorbei an den heinzenbewehrten1 Hängen des Emmentals nach Sumiswald, Eriswil, Huttwil ins oberaargauische Melchnau zur diesjährigen Jahresversammlung des Historischen Vereins des Kantons Bern. Zunächst nahm die stattliche Schar, welche hier noch durch die Jünger Klios2 aus dem Oberaargau verstärkt wurde, den die schmucke Ortschaft überhöhenden Schlossberg in Angriff. Herr W y s s  (Herzogenbuchsee), ein kundiger Archäologe, orientierte die Geschichtsfreunde über die Ausgrabungen auf Grünenberg, welche in den letzten Jahren vorgenommen wurden und recht beachtliche Ergebnisse gezeitigt haben. Durch diese Grabungen wurde einmal der sog. Palas oder Wohnturm zu einem nicht unwesentlichen Teil freigelegt und insbesondere die Burgkapelle, über deren einstige Existenz man bisher lediglich durch sehr spärliche urkundliche Hinweise unterrichtet war. Heute ist dieses während Jahrhunderten von Schutt und Wurzelwerk überdeckte Gotteshaus in seinen noch beträchtlichen Überresten (Umfassungsmauern und Fußboden, Eingangstreppe) weitgehend bloßgelegt. Der Fußboden ist mit reich ornamentierten St. Urbaner Backsteinen belegt, welche ungefähr in die Mitte des 13. Jahrhunderts zurückdatiert werden können. Zum Schutz gegen die Unbilden der Witterung und andere unwillkommen Zugriffe – jahrzehntelang bildete Grünenberg für die Bevölkerung der Umgebung ein willkommenes Bausteinreservoir – ist die Kapellenruine seit kurzem von einer soliden Schutzhülle umgeben. Halten wir als weitere bedeutsame Tatsache fest, daß es sich bei Grünenberg eigentlich um 3 Burganlagen handelt: Die größte und umfangreichste, Grünenberg, welche sich zu äußerst auf dem Felsvorsprung erhebt, dann die sogenannte Schnabelburg, welche in Wirklichkeit allerdings wohl nicht viel anderes als ein Erweiterungsbau der Grünenberg war, und schließlich, auf dem hintern Teil des Felsrückens, Langenstein. Die Freiherren von Langenstein und Freiherren von Grünenberg sind unter sich verwandtschaftlich eng verbunden. Den ersteren fällt das Verdienst der Gründung des bedeutenden im Oberaargau einst reich begütert gewesenen Cistercienserklosters St. Urban (2. Hälfte des 12. Jahrhunderts) zu. Bedeutender als die Langenstein waren die Grünenberger, während Jahrhunderten das mächtigste und führende Dynastengeschlecht im Oberaargau; seine Schicksale umriß an der Tagung, welche der historische Verein in der Kirche Melchnau abhielt, Sekundarlehrer R a m s e y e r , welcher an Hand der grundlegenden Forschungen von Dr. A. Plüß und dem vortrefflichen Melchnauer Chronisten Jakob Käser ein zuverläßiges Bild von diesen eigenwilligen Adligen entwarf. Der bedeutendste und auch letzte männliche Sproß dieses Freiherrengeschlechts war Wilhelm von Grünenberg, welcher als besonderer Gönner des Klosters St. Urban, erfahrener Diplomat und Mitstifter des verhängnisvollen Bündnisses zwischen Zürich und Oesterreich (zur Zeit des alten Zürichkrieges) in die Geschichte einging. Auch am Einbruch der Armagnaken in unser Land soll er nicht ganz unschuldig gewesen sein. Seine eindeutige Stellungnahme zugunsten Oesterreichs büßte Wilhelm mit dem vorübergehenden Verlust seiner Stammfeste Grünenberg. Ob und wie weit das Schloss Grünenberg durch die Ereignisse des alten Zürichkrieges Schaden gelitten hat, läßt sich heute schwerlich nachweisen. Jedenfalls stand es um 1454 noch aufrecht. Nach dem Tode Wilhelms (ca. 1450) gelangte der größere Teil seiner ihm noch verblieben Güter infolge Heirat einer Grünenbergerin mit einem von Mülinen an dieses aargauische Geschlecht, später an die von Luternau und erst um 1480 dann durch Kauf an Bern. 1712 diente das dem Zerfall preisgegebene Schloss den Bernern im zweiten Villmergerkrieg noch als willkommene Verteidigungsstellung. Noch vor 120 Jahren [also 1820] standen bedeutende Mauerstücke des stolzen mittelalterlichen Schlosses, dessen Zinnen weit über die heutigen Baumwipfel heraus geragt haben mögen. Schonungslos ging das spätere pietätlose 19. Jahrhundert aber über sie hinweg. Erst unsere Zeit vermochte diesen Denkmälern der Vergangenheit wieder mehr Reverenz zu erweisen.
     Ueber das Leben im bernischen historischen Verein im verflossenen 105. Jahr seines Bestehens gab Präs. P r o f .  D r .  F e l l e r  erwünschten Aufschluß: Im letzten Winter führte der Verein 10 Vortragsabende durch, die sich alle eines guten Besuches erfreuten (durchschnittlich waren 65 Mitglieder und Gäste anwesend). Erfreulicherweise brachte das letzte Vereinsjahr wieder einen gewissen Mitgliederzuwachs; auf 1. Juni 1951 zählte er 285 Mitglieder. – Leider riß der Tod auch Lücken in die Mitgliederreihen. Herb traf ihn der Verlust des verdienten Heimatgeschichtsforscher Dr. h. c. M o r g e n t h a l e r und von Prof. Dr. K von M a n d a c h , welch letzterer als Vertreter der Kunstgeschichte viel Anregung bot. Das neue Archivheft, welches in absehbarer Zeit erscheinen dürfte, wird drei Arbeiten umfassen: eine über die öffentliche Tätigkeit Jakob Stämpflis nach dem Rücktritt aus dem Bundesrat (verfasst von H. Böschenstein), dann den Briefwechsel zwischen J. C. Lavater und dem Restaurator C. L. von Haller sowie eine posthume Publikation von Dr. H. Morgenthaler. Kassier G r u b e r -von Fellenberg erstattete den Rechnungsbericht.
     Anschließend fand man sich zum gemeinsamen Mittagsbankett im Gasthof „Zur Linde“ ein, worauf die Fahrt über Altbüron nach St. Urban weiterging, wo die herrliche Barockkirche mit dem berühmten Chorgestühl unter Führung des bekannten Kunst- und Bauhistorikers P.-D. Dr. Paul H o f e r  besichtigt wurde. Die Autofahrt über Langenthal – Krauchthal nach Bern schloss die erlebnisreiche Historikertagung ab.

 

 



Fussnoten