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Burgruine Grünenberg Melchnau |
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Grabung 1949 |
Entdeckung des Plattenbodens |
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Im nachfolgenden Text, erschienen im Oktober 1949, berichtet René Wyss von der ersten archäologischen Grabungskampagne auf dem Melchnauer Schlossberg. Der Aufsatz1 ist im vollen Umfang wiedergegeben, jedoch ohne Fotos und Plan. Die falsch zugeordneten Fussnoten auf Seite 46 werden hier richtig wiedergegeben, zudem sind einige Angaben von Wyss heute nicht mehr haltbar (sie Anmerkungen). |
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Grünenberg |
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Unmittelbar über Melchnau, einem Dorfe unweit von Langenthal, haben einst drei Festungen, Langenstein, Schnabel und Grünenberg, die Passage vom Oberaargau ins Luzernische beherrscht.2 |
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An der engsten Stelle eines nach Westen leicht abfallenden, steilen Molasserückens kleben heute noch einige von Wald überwachsene Mauertrümmer der Langenstein auf einer Sandsteinkuppe, senkrecht über einem früher etwa 20 m tiefen künstlichen Halsgraben. Ob die beiden, etwas unter diesem Menschenhorst eingemeißelten Keller in Beziehung zur Burg standen oder später erstellt worden sind, ist mangels Funden ungewiß. Im Volksmund heißen diese Grotten Hundshöhlen. Im Burghof zeichnet sich ein in den Felsen getriebener Sodbrunnen ab. Westlich dieser Anlage, durch einen Graben getrennt, weisen welliges Gelände und geometrische Eintiefungen auf den Standort der Schnabelburg hin. An diese heute umstrittene Burgstelle schließen, durch Doppelgräben getrennt, die Ruinenreste der Feste Grünenberg an, deren westliche Schmalseite, entsprechend dem künstlichen Halsgraben der Langenstein im Osten, durch einen tiefen Felseinschnitt gesichert ist. |
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Über das einflußreiche Dynastengeschlecht der Langenstein und Grünenberg berichten die Klosterurbare von St. Urban und verschiedene Chroniken.3 Den vermutlich Ende des 12. Jahrhunderts erbauten Burgen Langenstein und Grünenberg und dem um 1300 durch den Zuwachs des Hauses Grünenberg bedingten Bau der Schnabelburg galt im Burgdorferkrieg 1383 ein Angriff der verbündeten Berner und Solothurner. Diesen gelang die Überlistung der Holz sammelnden Burgknechte, was die Zerstörung der Feste zur Folge hatte. A. Plüss4 entnimmt einer Stadtrechnung: «an Zimmerleute und Maurer wurden für ihre Arbeit Grünenberg ze brechen 31 Pfund und 15 Schilling bezahlt» und fährt fort «es ist gar nicht denkbar, daß sich der zeitgenössische Schreiber dieser Notiz sosehr geirrt haben sollte, in einem offiziellen Aktenstück die große weitbekannte Burg Grünenberg als geschleift zu verzeichnen, wenn nur eine kleine Schnabelburg zerstört worden war». 1443, im Kriege der Eidgenossen gegen Zürich und Österreich, stürmten die Berner Grünenberg, das sie im folgenden Jahr bei Wiederausbruch der Feindseligkeiten endgültig besetzten. Im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts, nach Aufgabe der Vogtei, dürfte der Zerfall der Burg Grünenberg eingesetzt haben. |
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In der Heimatschutzgruppe Oberaargau hat sich unter der Leitung der Herren E. und R. Pfister in Langenthal ein Ausschuß gebildet, der sich mit Unterstützung verschiedener Institutionen die Freilegung und Untersuchung der Burg Grünenberg zur Aufgabe gemacht hat. Unter Oberaufsicht von Herrn Dr. Bosch führte der Berichterstatter mit einem deutschen und internationalen Studentenlager, häufig unterstützt von Herrn Balmer mit seinen Schülern, die erste Grabungsetappe in der Zeit vom 18. Juli bis zum 17. September 1949 durch. |
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In einem ersten Schritt galt es, die Mauerzüge der vermutlich hier begrabenen Reste des Palas abzuklären. Sowohl in diesem Schnitt als auch in anschließenden Untersuchungen drängte sich immer wieder die Frage auf: Ist Grünenberg tatsächlich 1383 zerstört worden, wie A. Plüss nachdrücklich betont oder behält Chronist [...] |
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[...] Seb. Seemann recht, wenn er berichtet: «Bernensium centuriones ferme duas arces Gruenenberg: Schnabel et Langenstein ceperunt».5 |
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Eine leichte Einsenkung in der SO-Ecke der Burganlage hat den zweiten Schnitt bestimmt, der zu unserer Enttäuschung zuerst eine durch Schatzgräber verursachte Störung, anschließend aber mehr als 2 Kisten Glas ergab. Hunderte von Butzenscheiben, linsen- und dreieckförmigen Glasteilen, wovon einige in Bleifassung, ließen hier einen interessanten Bau vermuten. Einige mit feinsten Pinselstrichen bunt bemalte Scherben, worunter der Kopf eines Heiligen mit Schein, ließen hier die Burgkapelle vermuten. Unter dieser humösen, mit zahlreichen Glasscherben durchsetzten Trümmerschicht lagen über 200, z. T. Unbeschädigte, schmucklose Bodenplatten aus Ton im Bauschutt, unterlagert von Holzkohleresten. Zwischen und unter diesen Platten lagen einige mit Fabelwesen, wie Greif und Meerkatze, gemusterte Stücke. (Nach Zemp No. 65, 67)6 |
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Mehrere Platten mit Innenstempel, die einen Kentauren, dem ein Drache in den Nacken springt, einen Greif und das in den Cisterzienserklöstern beliebte Symbol des Meerweibchens darstellen, gehören zu den seltenen, grün glasierten Bodenplatten, wie sie bisher nur in Altbüron und Zofingen gefunden worden sind (Zemp No. 32). Ca. 20 cm unter diesem zerstörten Boden lagen einige gestempelte Platten in situ und veranlaßten die flächenhafte Freilegung der vermuteten Kapelle. |
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Die Kapelle, doppelt so lang wie breit, ist, so weit es die Gesamtanlage der Burg zuließ, nach Osten orientiert und wird durch eine schmale, mit verzierten Backsteinen umrahmte Pforte im Westen betreten. Der ältesten Bauperiode der Kapelle, deren Altarraum vom Chor durch eine niedere Schranke aus Sandsteinblöcken getrennt wird, entspricht ein durch Brandeinwirkung rötlich gefärbter, hohler Altarunterbau. Wenn Grünenberg um die Wende des 12. zum 13. Jahrhundert erbaut worden ist, dann ist die erste Bauperiode der Kapelle in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts zu setzen. Mit dem Aufblühen der Backsteinfabrikation in St. Urban wurde der erste Boden der Kaplanei, wohl etwas nach der Mitte des 13. Jahrhunderts, überbaut. Dazu sind für das Chor zwei Muster verwendet worden: Adler-Teufel-Löwe und Palmetten. Im fast gänzlich zerstörten Altarraum (Schatzgräberei!) liegen noch einige Platten mit drei verschiedenen Blattmustern und der antithetischen Darstellung von Greif und Drache. Dieser erste Plattenboden der zweiten Bauperiode weist zwei auffallende Einsenkungen auf, die Gräber vermuten ließen, obschon sich nach den Fontes rer. Bern. IV die Ruhestätte der Grünenberger in St. Urban befindet. Die Untersuchung konnte nicht mehr abgeschlossen werden. Die dicken, einfarbigen, roten, blauen und grünen, am Rande retouchierten Glasscherben, sowie weiße und rostfarbene Wandverputzstücke mit rötlicher, schlichter Linienornamentik geben ein Bild vom Aspekt der zweiten, spätromanischen Burgkapelle. |
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Ein Lampenfragment aus der Asche über diesem Boden datiert ins erste Viertel des 14. Jahrhunderts.7 Der Boden der dritten Bauperiode lag ebenerdig zum Eingang so, daß die Stufen des vorhergehenden Baues überdeckt wurden. Die paar glasierten Platten, die auf diesem Niveau lagen, gehörten kaum zu dieser Anlage des 14. Jahrhunderts, der die Glasmalerei zuzureihen ist. |
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Die Fabrikation der verzierten Backsteine dürfte das zweit Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts nicht überlebt haben. Über dem plötzlichen Aufhören der gemusterten Platten herrscht Dunkel. Vielleicht besteht ein Zusammenhang mit einer Klosterreform der sehr strengen Cisterzienser, denen eine neue Regel die Herstellung von verzierten Backsteinen mit oft unchristlichen Motiven gänzlich verbot. Die zweite Burgkapelle, die architektonisch eine Parallele hatte in der benachbarten Burg Altbüron, bietet Muster, die weit über dem Niveau der provinzialen Kunst, die in St. Urban auch vertreten ist, stehen.8 (Vergl. Abb. Mit Palmettenmuster.) Die Anlage würde es reichlich verdienen, späteren Generationen erhalten zu bleiben. Ein bisher unbekanntes Stempelchen mit Sternmuster dürfte einem Kind in die Hände gefallen sein, das seine Freude daran fand, zwei Platten nach eigenem Geschmack zu ergänzen. Diese Spielerei, sowie Eindrücke von Hunden, Katzen und Krähen wirken befruchtend auf die Vorstellung mittelalterlichen Lebens im klösterlichen Betriebe von St. Urban. Die engen Beziehungen der Grünenberger mit dem Kloster, deren Stifter die Brüder Werner und Lütold von Langenstein waren, brachen erst 1393 ab mit der Ermordung Heimos von Grünenberg, dessen übermütiges Auftreten einige fromme Mönche zur frevlerischen Tat aufreizte.9 |
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Die Ausgrabung in der dem heiligen Georg gewidmeten Schloßkapelle hat ergeben, daß sie 1383 nicht zerstört worden ist. Es ist kaum anzunehmen, daß die eingangs erwähnten Burgenbrecher vor der geheiligten Stätte Halt gemacht haben, woraus man schliessen möchte, daß eben die Schnabelburg restlos geschleift wurde, was auch die hohen für die Handwerker ausgesetzten Prämien rechtfertigen würde. Eine Zerstörung der Kapelle 1443 ist sehr fragwürdig. Sie wird auch nach diesem Datum erwähnt und wird nach Ansicht von A. Plüss in der Reformationszeit zerfallen sein, da eine 1443 zerstörte Kapelle einen neuen Boden bedingt hätte. Eine vierte Bauperiode konnte jedoch nicht festgestellt werden. Zum Schluß möchte der Berichterstatter nicht verfehlen, all denen zu danken, die in irgend einer Weise dazu beigetragen haben, die Grabung erfolgreich zu gestalten und die Wühlarbeit gewisser Elemente einzudämmen. |
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René Wyss, Herzogenbuchsee. |
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Fussnoten |
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